Rentner Hanns F.-und seine Krankenversicherung

75. Geburtstag am Gr√ľndonnerstag = 13. April 2017. Seine pers√∂nlichen Daten

  • DAK-Mitglied Kranken- und Pflegeversicherung = 392,59 ‚ā¨ als freiwillig Versicherter
  • Altersrente Deutsche Rentenversicherung = 667,48 ‚ā¨ einschl. 7,3 % Beitragszuschuss

Nanu, soviel Beitrag zur Krankenkasse bei so wenig Rente? Ist das korrekt? Derzeit noch (!) in Ordnung - und ungew√∂hnlich keinesfalls. Als n√§mlich Hanns 2007 seine Rente beantragte, war die Voraussetzung zur g√ľnstigen Rentner-Krankenversicherung deswegen nicht erf√ľllt, weil er weniger als 9/10 der zweiten H√§lfte seines Berufslebens gesetzlich krankenversichert war, weil zeitweise im Ausland und √ľber einige Jahre hinweg privat versichert.


Schon zehn lange Rentnerjahre lang ist Hanns deshalb freiwillig krankenversichert. Die Beitragsh√∂he schmerzt, weil f√ľr deren Berechnung nicht nur seine kleine Rente und geringe Vermietungseink√ľnfte herangezogen werden, sondern auch anteilig die Lehrerin-Pension seiner Frau: die halbe Beitragsbemessungsgrundlage = 2.175 ‚ā¨ gilt deswegen als fiktives beitragspflichtiges Einkommen.

Achtung, Rechtsänderung seit 1.8.2017

Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz - HHVG) vom 4. April 2017, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt I Nr. 19 vom 10. April 2017 S. 778.

  • In ¬ß 5 Abs. 2 SGB V wurde folgender Satz eingef√ľgt, wirksam ab 1.8.2017: Auf die nach Absatz 1 Nummer 11 erforderliche Mitgliedschaft wird f√ľr jedes Kind, Stiefkind oder Pflegekind ‚Ķ eine Zeit von drei Jahren angerechnet.

Und vorab einzusch√§tzen, wie Krankenkassen auf beg√ľnstigende Neuregelungen reagieren, hier die Empfehlung des GKV-Spitzenverbandes vom 10.04.2017 im Wortlaut:


  • Grunds√§tzlich haben die Krankenkassen ‚Ķ eine Pr√ľfung der Versicherungspflicht unter den neuen rechtlichen Bedingungen nur auf Veranlassung der betreffenden Person durchzuf√ľhren. Eine Pflicht zur Pr√ľfung von Amts wegen ‚Ķ besteht nicht.

Aha, nur wenn Hanns selbst aktiv wird und wegen einer f√ľr ihn ganz offensichtlich interessanten Gesetzes√§nderung die Pr√ľfung seiner freiwilligen Mitgliedschaft verlangt, nur dann tut‚Äôs die Krankenkasse. Sehr b√ľrgerfreundlich!

Hanns ist Vater von Zwillingen aus erster Ehe. Auf Antrag, also nicht automatisch, muss seine Krankenkasse nun die im Jahr 2007 durchgef√ľhrte 9/10-Berechnung pr√ľfen:¬†

  • Damals = 2007 fehlten¬†58 Monate¬†an der erforderlichen Vorversicherungszeit.

  • Nun werden f√ľr seine zwei Kinder 2 x 3 Jahre = 72 Monate zus√§tzlich auf die Vorversicherungszeit angerechnet ‚Ķ

  • ‚Ķ mit dem Ergebnis, dass nun - bezogen auf den Tag der Rentenantragstellung im Jahr 2007 - die Voraussetzungen f√ľr die Krankenversicherung der Rentner erf√ľllt sind, Auswirkung allerdings erst ab 1.8.2017, dem Tag des Inkrafttretens der Neuerung.

Sofern das von der DAK erkannt und zudem das Verfahren z√ľgig durchgef√ľhrt wird:

  • Zum 31.7.2017 endet die freiwillige DAK-Mitgliedschaft. Ab August 2017 sind keine Zahlungen mehr an die DAK vorzunehmen.

  • Hanns wird ab 1.8.2017 als Rentner kranken- und pflegeversichert. Der Beitrag bemisst sich nach der H√∂he der Rente, sein Beitragsanteil betr√§gt dann nur noch 71,95 ‚ā¨ monatlich und wird von der Rente einbehalten. An seinen Leistungsanspr√ľchen gegen√ľber der DAK √§ndert sich nichts.

Der Anspruch auf Beitragszuschuss gegen√ľber der Deutschen Rentenversicherung entf√§llt, die Netto-Auszahlung der Rente betr√§gt 561,97 ‚ā¨.¬†

Unter dem Strich spart Hanns ab August d.J. rd. 275 ‚ā¨ monatlich.¬†

Wenn, ja wenn er davon wei√ü und sich bei seiner Krankenkasse meldet, und eine √úberpr√ľfung beantragt.

Wen kann’s sonst noch betreffen?

Aufmucken sollte, wer als Rentner in gesetzlicher Krankenkasse freiwillig versichert ist. Das kann zwar verschiedene und auch rechtm√§√üige Gr√ľnde haben, zum Beispiel eine noch ausge√ľbte selbst√§ndige T√§tigkeit. Wurde jedoch bei Rentenantragstellung die so genannte 9/10-Belegung der zweiten H√§lfte des Berufslebens verfehlt, und liegt ‚ÄúElterneigenschaft‚ÄĚ vor, so dr√§ngt sich eine Pr√ľfung auf.

Es k√∂nnen auch jetzt privat-krankenversicherte Rentner beg√ľnstigt sein:

Rentner Josef K. ist privat krankenversichert

70. Geburtstag = 1. Mai 2017. Seine persönlichen Daten:

  • Barmenia-Kranken- und Pflegeversicherung = 949,95 ‚ā¨
  • Altersrente Deutsche Rentenversicherung = 1.798,16 einschl. 7,3 % Beitragszuschuss
  • Betriebsrente 269,00 ‚ā¨, Eink√ľnfte aus Vermietung 9.260 ‚ā¨/Jahr

J. war seit 1968 bis zu seiner Scheidung (die drei Kinder waren da bereits au√üer Haus) im Jahr 2001 bei der AOK versichert und wechselte wegen eines g√ľnstigen Angebots zur Barmenia. Wegen falscher Gesundheitsangaben wurde die Pr√§mie kr√§ftig erh√∂ht, eine R√ľckkehr in die gesetzliche Krankenversicherung war ihm verschlossen, auch zum Zeitpunkt des Rentenantrags.

  • J. kann bei seiner letzten gesetzlichen Krankenkasse, der AOK, weil diese damals √ľber die Ablehnung einer Rentner-Mitgliedschaft entschieden hat, einen √úberpr√ľfungsantrag stellen.¬†

  • Obwohl J. seit seinem 54. Lebensjahr privat krankenversichert, erf√ľllt er nunmehr, bezogen auf den Tag der Rentenantragstellung im Jahr 2012, unter Ber√ľcksichtigung von drei Kindern die Voraussetzungen f√ľr die Krankenversicherung der Rentner.

  • J. wechselt von der Barmenia in die AOK. Von seiner Rente werden als sein Beitragsanteil 186,99 ‚ā¨ f√ľr die Kranken- und Pflegeversicherung einbehalten, f√ľr die Betriebsrente mu√ü er rd. 48 ‚ā¨ monatlich an die AOK direkt √ľberweisen.

Und was sagte der Barmenia-Vertreter, als Josef K. ihn vorab unterrichtete: 

Nein, das glaube ich nicht! Nein, das k√∂nnten m√∂glicherweise noch mehr Personen aus meinem Bestand nutzen, das w√§re ja f√ľrchterlich.


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